90 Jahre

Für 27 Jahre lebte die Lore als Dauergast auf der Sonnmatt. Auch wenn das eine oder andere Leiden gegen Ende ihres Lebens ihr Mühe bereitete, war sie trotzdem erstaunlich fit. Einige Episoden Ihreres langen und bewegten Lebens finden sich im folgenden Gedicht.

 

Gedicht

Ein Mensch, im tiefsten Innern gut, mit viel Begeisterung und Mut
war immer und auch oft recht schnell, wenn's mal brennt sogleich zur Stell.

Sie heilte mit Tropfen, Salben, Tee, - ob Haarausfall - ob wund der Zeh -
bei Rheuma, Schnupfen, Diarrhö - ihr Mittel half bei jedem Weh.

Dabei - wer hätte das gedacht? - war alles auch noch selbst gemacht.
Auf Bergeshöh’n mit Stock und Ranzen holte sie die heilkräftigen Pflanzen
zum Wohle aller, die sie kannten und bald auch ihre Freunde nannte.

Doch nicht allein die Körperschmerzen lagen ihr so sehr am Herzen,
sondern auch die Seelennot, die sie heilte mit Lebensbrot.
Ein gutes Wort, ein warmer Blick, und bald kam Lebensmut zurück!

Was ihr auch verschaffte 'ne Lobby war wohl ihr produktives Hobby:
Mit viel Geschick - man konnte es sehen - verstand sie was vom Kleidernähen!

Auch der Musik gehörte ihr Herz. Im Lied, da kann man Freud und Schmerz
vor Gottes Thron im Himmel bringen. Und deshalb liebte sie auch das Singen.
Sie konnte Chöre sogar leiten. - Das war in ihren besten Zeiten.

Hoch oben wo sich Berge türmen, sah man sie die Gipfel stürmen.
Bergewohnt und Schritt vor Schritt nahm sie andre Wandrer mit.

Kurz und gut: Sie half und gab, sie sang und nähte und heilte und liebte,
und war bei allem was sie machte, auf’s Wohl der anderen nur bedacht.

 

Drum rufen wir jetzt auch im Chore:
HOCH SOLL SIE LEBEN UNSERE LORE!

(dieses Gedicht verfasste Sigrid Queisser am 20. März 1993 zum 70. Geburtstag von Lore Vollmer)
Zum 90. Geburtstag kurz vor ihrem Ableben auf der Sonnmatt wurde es noch einmal vorgelesen.